«David muss bei Knackeboul durchschimmern»
David Lukas Kohler kennen wenige. Als Knackeboul sorgt der Rapper, Moderator und Kolumnist hingegen für Aufsehen.
Herr Kohler, man kennt Sie eigentlich nur mit Künstlernamen. Was hat David Lukas Kohler, was Knackeboul nicht hat?
David ist nicht permanent einer breiten Öffentlichkeit ausgesetzt und somit etwas entspannter als meine Kunstfigur – wobei, manchmal ist es auch umgekehrt (lacht). Wenn Knackeboul konsumiert, interpretiert und angegriffen wird, ist das einfacher zu handeln.
Lob, aber auch Kommentare unter der Gürtellinie ernten Sie neben Ihrem musikalischen und journalistischen Schaffen vor allem für Ihr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit. Wie gehen Sie mit solchen Angriffen um?
Wenn Leute emotional werden und mich beleidigen, weil ich mich für Offenheit und gegen Fremdenhass einsetze, trifft mich das weder als Knackeboul noch als David. Im Gegenteil: Ich empfinde es eher als persönliche Bestätigung für mein politisches Denken und Handeln. Dazu habe ich einmal Folgendes gesagt: «Von menschenverachtenden Menschen verachtet zu werden, erachte ich als Kompliment.» Wenn ich hingegen für mein künstlerisches, musikalisches Schaffen ungerechtfertigt kritisiert werde, geht mir das nahe und macht mich wütend oder traurig. Vor allem wenn ich merke, dass sich die entsprechende Person ein Urteil gebildet hat, ohne sich wirklich mit meiner Arbeit auseinanderzusetzen. Den gelasseneren Umgang mit solcher Kritik muss ich noch lernen.
Auch auf Ihrem neuesten Album «Knacktracks» gehen Sie mit rassistischer Politik hart ins Gericht. Darf sich ein Musiker, der kommerziell Erfolg haben will, politisch überhaupt so klar positionieren?
Gerade dieses Album zeigt auf, dass die Gratwanderung funktionieren kann. Zum einen ist es kommerziell erfolgreich, zum anderen nimmt es klar eine Antiestablishmentposition ein. Wenn man vor dieser Herausforderung kapitulieren würde, könnte sich in unserer reichen und erfolgsorientierten «Seifenblase» Schweiz niemand mehr zu politisch oder gesellschaftlich mehrheitlich unbestrittenen Themen äussern. Man muss innerhalb einer herrschenden Gesellschaft auch Systemkritik üben dürfen, wenn man selbst nicht völlig perfekt ist. Der Banker genauso wie die Konsumentin, die keine Bioprodukte kauft.
Hip-Hop für die Massen hat heute generell eher wenig mit den politischen Ursprüngen dieser Stilrichtung zu tun. Weshalb gehen Sie einen anderen Weg?
Das stimmt so nicht, im Hip-Hop gab es schon immer politische wie auch kommerziellere Richtungen. Ich persönlich fände es schlimm, wenn David nicht mehr bei Knackeboul durchschimmern würde. Ich bin zwar ein fantasievoller Mensch, mache gerne Musik und auch mal Party mit Rumblödeln. Ich diskutiere aber auch leidenschaftlich gerne über aktuelle Themen und möchte das in meiner Musik zum Ausdruck bringen.
Sie sind teilweise in Portugal aufgewachsen. Hat dieser Umstand Einfluss auf Ihre heutige Persönlichkeit?
Ja, diese Erfahrung war auf mehreren Ebenen sehr prägend. Ich habe zum Beispiel Portugiesisch gelernt und bin dadurch sicher sprachaffiner geworden. Und ich habe erlebt, wie es ist, ein Ausländer zu sein. Zuerst in Portugal und danach gleich noch einmal als Rückkehrer in der Schweiz.
Interview: Philipp Grünenfelder
