Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Schubladen sind nützlich: Sie helfen uns dabei, unsere Habseligkeiten aufzubewahren. Ihr mehr oder weniger geordnetes Innenleben verbergen sie zuverlässig vor neugierigen Blicken. Ist jedoch die Schublade zu gross oder zu klein, verliert sie ihren ordnenden Zweck: Wir finden nichts mehr, weil sie zu viele unterschiedliche Dinge enthält oder weil es zu viele Schubladen gibt.

Auch die Schubladen in unseren Köpfen helfen uns, uns zurechtzufinden. Ohne die Fähigkeit, Kategorien zu bilden und Ähnliches zusammenzufassen, wären wir mit der Welt überfordert. Je nach Aufgabe, die wir zu lösen haben, brauchen wir eine grössere oder kleinere Schublade. Im Unterschied zu Schubladen im Kleiderschrank oder in der Küche bilden hingegen diejenigen in unseren Köpfen die Grundlage für unser Handeln – im Alltag wie im Beruf – und haben Auswirkungen auf andere Menschen. So wird die Interaktion mit der Sitznachbarin im Zugabteil dadurch beeinflusst, ob ich sie der Schublade «Muslimin» oder «fremdsprachig» zuordne. Die Schubladen in unseren Köpfen können so zu Benachteiligung und Ausschluss führen und Integrationsprozesse erschweren. 

Um dies zu verhindern, müssen wir jeweils die richtige Schubladengrösse finden, das heisst den passenden Grad an Differenziertheit. Dafür gibt es keine Patentrezepte – es ist immer von Neuem genaues Hinschauen gefragt.

Mit diesem Heft möchten wir Sie dazu anregen, über die Schubladen, die wir alle täglich benutzen, nachzudenken und deren Inhalt wieder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Namen der Herausgeberkantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Graubünden und Bern wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre.

Manuel Haas, Integrationsdelegierter Kanton Bern

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Manuel Haas, Integrationsdelegierter Kanton Bern