Hauswarte – die guten Seelen im Haus
Sie sind zur Stelle, wenn im Treppenhaus die Lampe nicht brennt, in der Wohnung der Wasserhahn tropft oder der Rasen gemäht werden muss. Aber sie müssen auch über jede Menge integratives Geschick verfügen, damit der Haussegen nicht in Schieflage gerät. Drei Hauswartinnen und Hauswarte erzählen von ihrem Arbeitsalltag, der nichts mit dem Klischee vom mürrischen Mann im blauen Kittel zu tun hat.
Kampfzone Waschküche
«Hauswart zu sein, ist eine wohltuende Abwechslung zu meinem einseitigen Beruf als Lagerist. In der Woche investiere ich sicher fünf bis sechs Stunden, um das Haus, den Garten und die Parkplätze in Schuss zu halten, aber auch um dafür zu sorgen, dass der Haussegen in unserem Wohnblock mit 14 Eigentumswohnungen nicht schief hängt. So unterschiedlich wie die Menschen, so verschieden sind auch ihre Ansprüche an Sauberkeit und Ordnung. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner regen sich beispielsweise gerne und regelmässig über den «Dreck» in der Waschküche auf – ein typisch schweizerisches Phänomen, das ich aber gelassen sehe. Damit sich die Gemüter wieder beruhigen, nehme ich deshalb gelegentlich den Putzlappen selbst in die Hand und wische die Maschine schnell sauber. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir uns alle an gewisse Regeln halten müssen, wenn wir friedlich zusammenleben möchten. Das tun grundsätzlich alle im Haus; und wenn nicht, erhebe ich den mahnenden Zeigefinger (lacht).»
Text: Güvengül Köz Brown
Eine grosse Familie
«Als Kind einer italienischen Einwandererfamilie bin ich in Kleinbasel geboren und aufgewachsen. Noch heute, über 40 Jahre später, würde es mir nicht in den Sinn kommen, von hier wegzuziehen. In die-sem Quartier, das schweizweit für seine kulturelle Vielfalt bekannt ist, bin ich zu Hause. Inzwischen arbeite ich sogar im Quartier. Einmal über die Strasse und schon wird Lucia zu Frau Romanelli, die Hauswartin, die dafür sorgt, dass im Schulhaus alles reibungslos funktioniert – von der Kontrolle und Wartung der haustechnischen Anlagen bis hin zur Reinigung und Pflege der Innen- und Aussenanlagen. Ich liebe diese abwechslungsreiche Arbeit, aber noch mehr liebe ich den täglichen Kontakt zu den Kindern. Das Schönste dabei ist: Herkunft und Religion spielen keine Rolle – wir sind wie eine grosse Familie, die füreinander da ist. Da kommt es schon mal vor, dass die Jungs zu Hilfe eilen, wenn ich etwas Schweres am Tragen bin. Das heisst aber nicht, dass ich alles durchgehen lasse. Wenn ich sehe, dass sie sich oder andere mit ihrem Verhalten auf dem Pausenhof oder im Treppenhaus in Gefahr bringen, gibt es kein Pardon.»
Text: Güvengül Köz Brown
Buongiorno Bella Italia
«Seit 2007 können betagte Italienerinnen und Italiener ihren Lebensabend in unserer speziellen mediterranen Abteilung verbringen. Die Sprache, das Essen, aber auch der omnipräsente italienische Staatsender Rai Uno lassen erahnen, dass hier keine Schweizer Seniorinnen und Senioren wohnen. Manchmal reicht aber auch schon ein Blick in die unterschiedlich eingerichteten Zimmer, um den Kontrast zu erfassen: Das ist so, als würde man die katholische Kirche mit der reformierten vergleichen (lacht). Dieses familiäre Umfeld unter Landsleuten hilft den Menschen, ihr Heimweh zu lindern. Selbstverständlich bin ich als Leiter Technischer Dienst in erster Linie für das tadellose Funktionieren der Infrastruktur im und ausserhalb des Alterszentrums verantwortlich. Aber ohne Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern geht gar nichts. Traurig bin ich nicht darüber, denn gerade diese sozialen Kontakte mit Menschen aus allen Herren Ländern, auch unser Team ist multikulturell, sind für mich unbezahlbar und vor allen Dingen inspirierend.»
Text: Güvengül Köz Brown
