Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Schweiz ist ein Einwanderungsland: Rund ein Drittel der hiesigen Bevölkerung hat eine familiäre Migrationsgeschichte. Zugewanderte leisten einen wichtigen Beitrag zum anhaltenden Wohlstand und zur Prosperität des Landes – eine Tatsache, die in den intensiv geführten Diskussionen leider zu oft ausser Acht gelassen wird. Genauso ausgeblendet wird, dass hierzulande das Zusammenleben zwischen der einheimischen und zugewanderten Bevölkerung – ob am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft – grundsätzlich gut funktioniert. Ghettoähnliche Verhältnisse, wie sie etwa im Brüsseler Stadtteil Molenbeek oder in den Banlieues von Paris herrschen, gibt es in der Schweiz nicht.

Dennoch: Quartiere mit einem hohen Ausländeranteil sind in grösseren Städten sowie in vielen Vorortsgemeinden auch bei uns gelebte Realität. Segregation, das heisst die räumliche Konzentration von Menschen mit Migrationshintergrund, ist aber nicht per se ein Zeichen für eine gescheiterte Integration. Darüber herrscht in der Forschung weitgehend Einigkeit. Problematisch ist die Situation hingegen, wenn diese Konzentration in einem direkten Zusammenhang mit mangelnder Chancenfairness steht. Damit gerade sozial benachteiligte Menschen gleichermassen die Chance zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erhalten, braucht es in Quartieren mit hohem Anteil an Menschen mit familiärer Migrationsgeschichte gezielte Investitionen in das Bildungssystem, in berufliche Eingliederungsmassnahmen, aber auch in bauliche Aufwertungen. Nur so lassen sich langfristige Perspektiven für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Ausgewogenheit schaffen.

Die vorliegende Ausgabe der MIX zeigt in diesem komplexen Themenfeld auf, welchen Beitrag wir alle zu einer weiterhin gut funktionierenden Gesellschaft leisten können.

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Andreas Räss, Leiter Fachstelle Diversität und Integration Kanton Basel-Stadt