www.statistik.bs.ch/indikatoren
Besser durchmischt
Im Kanton Basel-Stadt ist die Fachstelle Diversität und Integration der Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung unterstellt. Abteilungsleiter Thomas Kessler erklärt, warum das sinnvoll ist.
Herr Kessler, inwiefern hat Ihre Funktion als Leiter Kantons- und Stadtentwicklung mit Integration zu tun?
Sehr viel, denn Zuwanderung war schon immer ein wichtiger Treiber von Entwicklungen. Ohne sie gäbe es weder Wirtschaftswachstum noch städtebauliche Veränderungen. Bereits im 19. Jahrhundert waren Migrationsbewegungen massgeblich dafür verantwortlich, dass Grossstädte wie Basel entstanden sind. Entsprechend kann Stadtentwicklungspolitik nicht von Migrationsthemen getrennt betrachtet werden. Sobald sich Menschen an einem Ort niederlassen, muss Wohnraum vorhanden sein, aber auch sichergestellt werden, dass diese Menschen Zugang zum Arbeitsmarkt, zum Gesundheitssystem und zu Bildungs- und Kultureinrichtungen haben. Diese Komplexität erfordert einen departementsübergreifenden Ansatz. Wir erfüllen diese Querschnittaufgabe, indem wir die Integrationsmassnahmen zu Information, Beratung, Bildung und Arbeit bündeln und mit der Unterstützung der Quartierentwicklung abstimmen.
In Basel-Stadt wurden in den letzten Jahren in vielen Quartieren Aufwertungsmassnahmen umgesetzt. Warum war das nötig?
In den 1980er- und 1990er-Jahren zogen viele Menschen aus Basel weg – vor allem junge Familien aus der Mittelschicht. Einzelne Quartiere begannen zu stagnieren, unter anderem auch, weil Hauseigentümer nicht mehr in den Unterhalt ihrer Immobilien investiert haben. Erschwerend hinzu kam die offene Drogenszene. Deshalb beschloss die Regierung damals, diese sichtbaren Probleme grundsätzlich anzugehen und nicht nur die Symptome mit polizeilichen Massnahmen zu bekämpfen. Nötig waren strukturelle Veränderungen, die auch den Wohnraum selbst und das Wohnumfeld tangierten.
Gentrifizierungsgegner behaupten, dass solche Aufwertungsstrategien die soziale Segregation fördern, statt sie zu bekämpfen. Was entgegnen Sie solchen Vorwürfen?
Das Gegenteil stimmt, die Segregation nimmt in Basel kontinuierlich ab. Neben der Stadtteilentwicklung haben wir in den letzten Jahren die Frühförderung und die Sozialpolitik weiter gestärkt: Mehrere hundert Millionen Franken Steuergelder werden jährlich transferiert zur Unterstützung von sozial Schwachen. Im vergangenen Jahr wurden alleine Familien mit mindestens einem Kind mit Mietzinsbeiträgen von insgesamt 9,5 Millionen Franken unterstützt. Die Erhebungen des Statistischen Amtes zeigen die Wirkung: Ausländerinnen und Ausländer in Basel-Stadt waren 2015 weniger stark auf einzelne Kantonsgebiete konzentriert als noch 2006; der Kanton ist heute also durchmischter als früher. Zudem werden die Quartierbewohner in die Entwicklungsprozesse miteinbezogen, damit ihre Bedürfnisse rechtzeitig in die Planung einfliessen.
Dann ist alles in Butter?
Nein, trotz Fortschritten gibt es in Basel und der ganzen Schweiz Siedlungen, wo viele sozial benachteiligte Familien konzentriert zusammen leben und keine wirkliche Chancengerechtigkeit haben. Zudem nehmen die Leistungsanforderungen in der Wirtschaft ständig zu, sodass der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Sicherung echter Bildungschancen immer wichtiger werden. Mit Erziehungsunterstützung, Frühförderung, Nachbarschaftshilfe und Quartierentwicklung müssen wir es schaffen, allen Kindern Perspektiven zu geben.
Interview: Güvengül Köz Brown
Neues Indikatorenportal
Wie viele Menschen leben in Basel- Stadt? Wie hoch ist die Sozialhilfequote im Kanton? Wie hoch ist die Konzentration der Ausländerinnen und Ausländer in den verschiedenen Quartieren? Antworten auf diese und weitere statistische Fragen sind auf einem neuen Portal des Statistischen Amtes abrufbar. Aktuell stehen 126 interaktive Grafiken aus den Bereichen Integration, Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Wohnraum und Wohnviertel zur Verfügung. Verschiedene Such- und Filterfunktionen sorgen für einen benutzerfreundlichen Zugang. Die Indikatoren werden regelmässig aktualisiert und das Angebot laufend erweitert.
