«Bei mir trifft sich die ganze Welt»

Integrationsgespräche für Arbeitnehmende und Personen im Familiennachzug aus Drittstaaten sowie spät immigrierte Jugendliche bieten wichtige Orientierungshilfen. Irene Rüesch, Fachbereichsleiterin beim Kanton, kennt die Hintergründe.

Interview: Philipp Grünenfelder

MIX: Frau Rüesch, worin bestehen der Sinn und Mehrwert solcher Informations- und Beratungsgespräche?

Irene Rüesch (IR): Wir möchten die soziale und sprachliche Integration früh und gezielt fördern. Deshalb vermitteln wir den neu Zugezogenen seit 2012 bedarfsgerechte Informationen zum Leben in der Schweiz und in Graubünden. Dies erleichtert die Orientierung im neuen Lebensumfeld. Gleichzeitig bauen wir Vertrauen gegenüber Amtsstellen auf. Wir erkennen das daran, dass sich viele auch später immer wieder bei unterschiedlichsten Fragestellungen an uns wenden.

MIX: Wie müssen die Gespräche ausgestaltet sein, damit sie tatsächlich eine Orientierung bieten?

IR: Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen, und den Inhalt der Gespräche individuell auf die Bedürfnisse des und der Einzelnen abstimmen. Ein Jugendlicher, der nach der obligatorischen Schulzeit in Portugal zu den Eltern ins Engadin zieht, hat einen anderen Weg vor sich als ein 40-jähriger Radiologe, der wegen seiner Schweizer Ehefrau von Australien nach Chur kommt. Um die Verständigung sicherstellen zu können, ziehen wir in der Regel interkulturelle Dolmetschende bei. Diese sind auch wichtige Brückenbauende zwischen den Kulturen.

MIX: Wie sind die Gespräche aufgebaut?

IR: Zuerst erkläre ich die Rollen der Beteiligten sowie das Ziel und den Zweck des Gespräches. Das beugt Missverständnisse vor. Weil der Spracherwerb die wichtigste Integrationskomponente ist, geben wir diesem Thema viel Raum. Wir klären den Bedarf ab und zeigen auf, welche Schritte mit welchen Kursangeboten machbar sind. Das ist in unserem vielfältigen und mehrsprachigen Kanton sehr unterschiedlich. Sind die lokalen Sprachkenntnisse ungenügend, erstellen wir eine Integrationsvereinbarung bzw. -empfehlung. Darüber hinaus gibt es natürlich viel Platz für individuelle Fragestellungen.

MIX: Welche Anliegen tauchen hier auf?

IR: Neben dem Spracherwerb ist das vor allem der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dazu gehört gerade bei jungen Menschen auch das Aufzeigen von Aus- und Weiterbildungswegen. Oder die Diplomanerkennung – eine oft schwierige Sache. Meist sind es konkrete Fragen zur Lebenssituation. Etwa zu den Rechten und Pflichten der jeweiligen Aufenthaltsbewilligung, zu den Sozialversicherungen. Aber auch ganz alltägliche Fragen zum Familienleben oder zur Anerkennung des Führerausweises.

MIX: Was sind dabei Ihre Botschaften?

IR: Dass der Spracherwerb genauso ein fortlaufender und Ausdauer erfordernder Prozess ist wie die Integration. Und dass es sich lohnt, bewusst in den Integrationsprozess einzusteigen und einen Beitrag hierfür zu leisten. Ein Kurs da und dort allein reicht nicht aus.

MIX: Was fasziniert Sie an dieser Arbeit?

IR: Bei mir trifft sich die ganze Welt. So bekomme ich aus unterschiedlichsten Kulturen sehr schöne und bisweilen auch dramatische Lebensgeschichten hautnah mit. Das kann ab und zu eine emotionale Herausforderung sein, ist aber immer eine spannende Aufgabe, denn jedes Gespräch verläuft anders.

integration.gr.ch

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«Da me si incontra tutto il mondo»

Con colloqui di integrazione per lavoratori e persone arrivate nel quadro del ricongiungimento familiare da Stati terzi nonché adolescenti immigrati dopo l'infanzia, il Cantone trasmette informazioni conformi ai bisogni sulla vita in Svizzera e nei Grigioni e determina la necessità di integrazione nei singoli casi. Si parla soprattutto di temi fondamentali come l'apprendimento della lingua, l'entrata nel mercato del lavoro o la formazione e il perfezionamento professionale. Però vi è anche spazio per altre domande derivanti dalle concrete situazioni di vita. Queste possono riguardare i diritti e i doveri legati al rispettivo permesso di soggiorno, la vita familiare o le assicurazioni sociali. Per garantire la comprensione di norma il Servizio specializzato per l'integrazione coinvolge mediatori interculturali professionisti. Se le conoscenze linguistiche sono insufficienti redige un accordo o una raccomandazione d'integrazione.