«Alles aus einer Hand»

Der Asyl- und Flüchtlingsbereich wird im Kanton Bern neu strukturiert. Welche Veränderungen dabei im Vordergrund stehen, erklärt Michaela Williner, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion.

Interview: Güvengül Köz Brown 

MIX: Frau Williner, mit der Neustrukturierung des Asyl- und Flüchtlingsbereichs im Kanton Bern (NA-BE) sollen die Zuständigkeiten neu organisiert werden. Weshalb ist das nötig?

Michaela Williner (MW): Den Anstoss zur Reorganisation gab das klare Ja des Stimmvolks zur Asylgesetzrevision vor zwei Jahren. Diese sieht ein beschleunigtes Verfahren vor, worin der Bund den Kantonen künftig nur noch jene Personen zuteilt, die eine realistische Chance haben, als anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene in der Schweiz zu bleiben. Der Regierungsrat des Kantons Bern nahm dies zum Anlass, um auf kantonaler Ebene die Zuständigkeiten bis 2020 neu zu definieren und den ganzen Bereich zu optimieren, dies mit dem Hauptfokus auf einer raschen und nachhaltigen beruflichen und sozialen Integration.

MIX: Wie sind die Verantwortlichkeiten derzeit verteilt?

MW: Die Aufgaben teilen sich momentan die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) mit der Polizei- und Militärdirektion (POM). Während wir für alle Belange der anerkannten Flüchtlinge zuständig sind, trägt die POM die Verantwortung für alle Asylsuchenden und Nothilfebeziehenden. Bei den vorläufig Aufgenommenen ist die Zuständigkeit derzeit aufgeteilt. Wir sind verantwortlich für die Integrationsförderung, die POM für die Ausrichtung der Sozialhilfe und für die Unterbringung. Künftig soll die Hauptverantwortung für alle Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich bei der GEF liegen, ganz nach dem Motto: Alles aus einer Hand. Die POM wird sich auf die Ausrichtung der Nothilfe und den Wegweisungsvollzug konzentrieren.

MIX: Für die Integration wird künftig also nur noch Ihre Direktion zuständig sein. Was ist da Ihr Hauptziel?

MW: Im Zentrum des neuen Modells steht die schnelle und nachhaltige Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Das bedingt neben dem Spracherwerb vor allem die rasche Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt, damit die Menschen nicht lange von der Sozialhilfe abhängig sind. Unser Auftrag ist es, entsprechend eng mit der Wirtschaft zusammenzuarbeiten. So wollen wir etwa Anreize für integrationsbereite Unternehmen schaffen, damit sie mitmachen. Das könnten beispielsweise die Vereinfachung der Anstellungsprozesse und somit die Verminderung administrativer Hürden sein.

MIX: Sie werden aber kaum alle operativen Aufgaben selbst umsetzen?

MW: Das stimmt. Wir werden für die strategische Leitung und das Controlling zuständig sein. In unserem Auftrag werden sich regionale Partner um alle Belange der ihnen zugewiesenen Personen kümmern – von Massnahmen zur Integrationsförderung über die Organisation der Unterkunft bis hin zur individuellen Betreuung und Auszahlung der Sozialhilfe. Sie können zur Erfüllung dieses Auftrags natürlich auch mit weiteren Partnern zusammenarbeiten. Nach der öffentlichen Ausschreibung, die gerade am Laufen ist, werden wir uns Anfang des kommenden Jahres für die geeigneten Institutionen entscheiden. Wir selber werden aber weiterhin punktuell auch Pilotprojekte lancieren und betreuen.

MIX: Ist diese Konzentration auf die regionalen Partner auch Teil des neuen Konzepts?

MW: Ja, auch hier gilt: unnötige Schnittstellen abbauen und die Zusammenarbeit für alle Beteiligten vereinfachen und effizienter gestalten.

gef.be.ch/NA-BE