Die neuen Vorbilder

Die Sozialen Medien sind ihre Bühne und sie die Stars einer neuen Generation. Mit ihren Posts auf Instagram, Facebook oder bei YouTube beeinflussen sie die Meinung ihrer Anhängerinnen und Anhänger. Wie das geht? Drei Influencer gewähren uns Einblicke in ihren virtuellen Alltag.

Texte: Güvengül Köz Brown und Philipp Grünenfelder
Fotos: Cornelia Biotti


Fernando Borge-Fernandez.
Fernando Borge-Fernandez.

Hilfecenter@Facebook

Fernando Borge-Fernandez, Social-Media-Aktivist aus Chur 

«Seit rund drei Jahren unterstütze ich online Menschen aus Spanien oder Lateinamerika, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, in der Bewältigung ihres Alltags. Sei es, indem ich ihnen aufzeige, dass sie Anspruch auf Kinderzulagen oder Prämienverbilligung haben, oder sei es, um ihnen beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen zu helfen. Auslöser für mein anfänglich ehrenamtliches Engagement war das erschütternde Schicksal eines jungen Spaniers. Er war als Au-Pair tätig, wurde aber dafür weder richtig entlohnt, noch war er versichert. Von freien Tagen konnte er nur träumen. Ich informierte ihn über seine Rechte und fand eine anständigere Gastfamilie. Um auch andere Menschen unbürokratisch und ohne Umwege beraten zu können, habe ich daraufhin eine Facebook-Gruppe gegründet. Sie wurde in kürzester Zeit schweizweit bekannt. Rund 10 000 Menschen nutzen mittlerweile das Angebot. Als mir der Aufwand zu gross wurde und ich auch die Schattenseiten des Internets, etwa unangemessene Kommentare, zu spüren bekam, übergab ich die Seite in andere Hände. Mittlerweile biete ich meine Dienstleistungen auf einer neuen Facebook-Seite an, stelle aber im Unterschied zu früher meinen Aufwand in Rechnung. Über Anfragen kann ich mich trotzdem nicht beklagen. Die Menschen sind dankbar, dass jemand für sie da ist.»

Facebook


Rash Sakem.
Rash Sakem.

Der schüchterne Entertainer

Rash Sakem, Facebook- und Instagram-Star aus Bern

«Ich sei der berühmteste Afrikaner in der Schweiz, der nicht akzentfrei Deutsch spreche, hat mich mal ein Freund beschrieben. Das mit dem Akzent stimmt tatsächlich, aber mit knapp 60 000 Facebook-Followern würde ich mich noch nicht wirklich als berühmt bezeichnen. Da ist noch Luft nach oben: Schön wäre es, wenn die ganze Schweiz oder noch besser alle Menschen im deutschsprachigem Raum meine zynischen Videoclips kennen würden. In denen rege ich mich über alltägliche Dinge wie die Zeitumstellung auf oder bringe meine ganz persönliche und zum Teil unbequeme Meinung zu bedeutenderen Themen zum Ausdruck – wie beispielsweise zu unseriösen Asylsuchenden. Mir ist es egal, wenn meine Ansichten nicht allen gefallen, denn ich orientiere mich immer an den Fans, die hinter mir stehen – und die sind Gott sei Dank in der Mehrzahl. Wie meine Onlineaktivitäten in zehn Jahren aussehen werden, weiss ich nicht: a) Mache ich keine langfristigen Pläne, b) Man glaubt es kaum, aber privat bin ich ein ganz schüchterner Typ. Insofern lasse ich alles auf mich zukommen. Klar ist für mich nur, dass ich auch künftig in der Schweiz leben möchte, denn hier gefällt es mir sehr gut.»

@ Facebook 
@ Instagram


Ilenia Toma.
Ilenia Toma.

Mit #ilivanilli die Modewellt aufgemischt

Ilenia Toma, Bloggerin aus Birsfelden (BL)

«Die Neugierde für Mode wurde mir in die Wiege gelegt. Meine französische Mutter war ihre eigene Freizeitdesignerin und auch mein Vater verfügt über ein ausgeprägtes Stilempfinden – Fan ist er besonders von Designern, die aus seiner alten Heimat Italien stammen. Kein Wunder, hatte ich von klein auf hohe Ansprüche an Fashion. Sogar meine Barbies mussten daran glauben: Sobald ich sie bekam, bastelte ich ihnen sogleich neue Outfits. Mein exzentrischer Stil brachte mir aber in der Schule auch viel Spott und Häme ein. Meiner Begeisterung hat es aber keinen Abbruch getan: Bis heute schätze ich es, dass ich über die Mode Konventionen überwinden kann. Das World Wide Web bietet mir dafür einen idealen Ort, denn es kennt keine Grenzen und ist aufgeschlossen für Neues. Mich faszinieren verschiedene Stile, denn Mode kann extravagant und zugleich edgy & rock’n’roll sein. Über solche und noch viel aufregendere Aspekte schreibe ich heute in meinem Blog und zeige sie auf Instagram. Es ist kaum zu glauben: Bis vor Kurzem war ich noch Coiffeuse und heute folgen meinen Bildern und Worten über 70 000 Personen. Das einfachste, was ich ihnen rate? Keypieces wie ein opulenter Mantel oder eine auffallende Sonnenbrille. Sie verleihen jedem Outfit das gewisse Etwas.»

Instagram
www.ilivanilli.com