«Was hätte ich sonst in einer Moschee verloren?»

Als YouTuberin fühlt sich Tama Vakeesan alias «Tama Gotcha!» frei und schaut für SRF hinter die Kulissen der menschlichen Eigenheiten.

Interview: Philipp Grünenfelder

MIX: Frau Vakeesan, bevor Sie von SRF als YouTuberin engagiert wurden, haben Sie für Joiz Grössen aus dem Showbiz interviewt. Nun vor allem Menschen aus Ihrem persönlichen Umfeld. Ist das nicht ein Schritt zurück?

Tama Vakeesan (TV): Nein, so empfinde ich das nicht. Natürlich war es aufregend, mit Persönlichkeiten zu sprechen, die Aussergewöhnliches erreicht haben. Für mich stehen jedoch die spannenden Geschichten und die Unterhaltung des Publikums im Vordergrund. Das kann ich mit meinem YouTube-Kanal «Tama Gotcha!» auf eine sehr persönliche Art und Weise. Zudem bin ich heute frei in der Gestaltung meiner Videos; was für mich persönlich definitiv ein Schritt nach vorne ist.

MIX: Gotcha kommt vom Englischen «got you» – ich verstehe dich. Sind Sie «die neue» Kurt Aeschbacher?

TV: Der Vergleich schmeichelt mir, aber ich bleibe doch lieber die erste Tama. Kurt Aeschbacher ist aber mit seiner Empathie und seinem Interesse für die Geschichten der Gäste sicherlich ein Vorbild.

MIX: In Ihren wöchentlichen Beiträgen geht es vor allem um kulturelle Unterschiede und das persönliche hin- und hergerissen sein. Was interessiert Sie daran?

TV: Ich kann so in Welten blicken, zu denen ich sonst nur schwer Zugang hätte. Oder was hätte ich sonst in einem Afro-Barbershop, einem vietnamesischen Jugendlager oder einer Moschee verloren? Diese Türen zu öffnen, finde ich total spannend. Natürlich hat es auch mit mir persönlich zu tun. Das Leben zwischen zwei Kulturen zeigt mir täglich auf, dass Menschen ganz unterschiedliche Lebensweisen haben.

MIX: Weshalb thematisieren Sie das gerade in kurzen Videos? Wird man damit den Personen und Geschichten gerecht?

TV: Wer sich auf YouTube bewegt, muss auch in der entsprechenden Sprache kommunizieren. Die Zuschauer sind es sich dort gewohnt, kurze Videos zu schauen, und klicken bei längeren oft weg, weil sie ständig etwas Neues entdecken. Man kann nicht wie bei einer einstündigen Fernsehsendung ausführlich werden. Dafür bleibt die Geschichte knackig und man kommt schnell auf den Punkt.

MIX: Sie sagen von sich, Sie seien zu Hause das brave tamilische Mädchen gewesen und in der Schule der aufgedrehte Teenager. Ist dieser Konflikt nicht auch ein Klischee, das man von Secondas erwartet?

TV: Nur um etwas kurz klar zu stellen: Ich war zu Hause auch aufgedreht und hatte es lustig mit meiner Familie. Der Respekt vor meinen Eltern war aber immer sehr gross und die Regeln sicher strenger als bei meinen Schweizer Freundinnen. In der Schule war es für mich deshalb um einiges lockerer. Vielleicht entspreche ich in diesem Fall einfach dem Klischee.

MIX: Sie leben noch immer bei Ihren Eltern im Oberaargau. Zieht es Sie nicht in eine eigene Wohnung in einer vermeintlich offeneren Grossstadt?

TV: Natürlich hätte ich Lust auszuziehen. Ich habe jahrelang in Zürich gearbeitet und könnte es mir sehr gut vorstellen, in die Stadt zu ziehen. Aber in dieser Hinsicht bin ich tamilisch eingestellt und will meinen Eltern damit einen Gefallen tun. Ich werde vermutlich erst ausziehen, wenn ich mal verheiratet bin.

Tama Vakeesan alias «Tama Gotcha!» Foto: © SRF/Ueli Christoffel
Tama Vakeesan alias «Tama Gotcha!» Foto: © SRF/Ueli Christoffel