Den Jugendlichen einen Platz und eine Stimme geben

Im Kanton Graubünden arbeitet jugend.gr, der Dachverband für Kinderund Jugendförderung, an niederschwelligen Angeboten, um Jugendliche jeglicher Herkunft ins Gemeindeleben zu integrieren.

Text: Simone Tappert

Es ist ruhig an diesem Morgen im Jugendhaus Chur, nur aus dem Keller sind gedämpfte Bässe zu hören. Ein Jugendlicher probe seine Choreografie im Veranstaltungsraum, sagt Nicolas Marx, der Leiter der städtischen Jugendarbeit Chur, der Junge sei sehr diszipliniert. Die Räume des ehemaligen Schulhauses sind denn auch ganz nach den Bedürfnissen der örtlichen Jugend eingerichtet: von sehr günstigen Bandräumen über ein professionelles Tonstudio bis hin zur Werkstatt und einem Gemeinschaftsraum mit Töggelikasten und Küche ist hier alles zu finden. An der Weiterentwicklung seien die Jugendlichen tatkräftig beteiligt, so Marx, der ideale Ort, um sich zu begegnen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, etwa ein Musikalbum oder eine Veranstaltung.

Doch nicht in allen Gemeinden sind Einrichtungen wie diese vorhanden, mancherorts fehlen entsprechende Angebote ganz, wie Samuel Gilgen, Fachstellenleiter des Dachverbandes Kinder- und Jugendförderung «jugend.gr» im Gespräch erklärt. Seit 2005 bemüht sich der Verband darum, die Gemeinden für die Wichtigkeit kommunaler Kinder und Jugendförderung zu sensibilisieren und sie bei der Umsetzung entsprechender Angebote zu unterstützen. Sei es mit Beratungen für Einzelpersonen, Organisationen oder Gemeinden, mit jährlichen Vernetzungstreffen, Bildungstagen, Podiumsdiskussionen unter Einbezug der zuständigen Behörden oder einer breit angelegten Wirkungsanalyse. Die persönliche Präsenz ist dabei laut Marx der Kern der Jugendarbeit. Es brauche Bezugspersonen, jemanden, der da ist. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund sei es in der Schule nicht immer einfach und deshalb umso wichtiger, einen Ort zu haben, an dem sie ihre Selbstwirksamkeit jenseits von Leistungsdruck erfahren können. Letztendlich seien Jugendliche aber Jugendliche, sagen Marx und Gilgen, ihre Bedürfnisse seien die von jungen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft.

Besonders stolz ist Gilgen deshalb auf das Projekt «JugendMobil», ein vollständig eingerichteter Jugendtreff auf Rädern, mit Bühne, Skateranlage und Töggelikasten, in dem ausgebildete Jugendarbeitende kostenlos Gemeinden aufsuchen, die noch wenig Erfahrung im Bereich Jugendförderung haben, um dort vor Ort über drei Wochen hinweg Jugendarbeit zu leisten. Nebst dem Aktivitätsangebot geht es meist darum, Probleme sichtbar zu machen und zuzuhören: «Hinter jedem Konflikt steckt ein Bedürfnis», so Gilgen. «Unsere Aufgabe ist es, dieses zu erkennen und so etwas wie die Anwälte dieser Bedürfnisse zu werden, zu übersetzen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen.» Es gehe um die Befähigung zur Selbstständigkeit, meint auch Marx und freut sich etwa über die Entwicklung zweier Mädchen mit kurdischen Wurzeln, die als Kinder in einem begleiteten, von der Jugendarbeit angebotenen Spielprojekt mitgemacht haben, später selbst in die Betreuung eingestiegen sind und nun Lehrstellen in diesem Bereich suchen. Projekte wie diese erleichtern Jugendlichen den Anschluss, die ihn sonst nicht finden würden, ist er überzeugt. Aber Marx und Gilgen sind sich einig: Es gibt noch allerhand zu tun.

www.jugend.gr
www.jugendarbeitchur.ch

Dar voce e spazio ai giovani

Dal 2005 l’associazione mantello per la promozione dell’infanzia e della gioventù, jugend.gr, si impegna per sviluppare offerte a bassa soglia per integrare giovani di origini diverse nella vita della comunità. Ciò avviene anche presso la Jugendhaus di Coira. Tuttavia, non in tutti comuni vi sono infrastrutture di questo tipo; in alcuni luoghi offerte del genere sono del tutto inesistenti. Per tale motivo l’associazione si impegna a sensibilizzare i comuni all’importanza della promozione dell’infanzia e della gioventù a livello comunale e a sostenerli nella realizzazione di offerte corrispondenti. Ciò può avvenire tramite consulenze fornite a singole persone, a organizzazioni o a comuni, tramite incontri annuali di networking, giornate di formazione o tavole rotonde che coinvolgono le autorità competenti, oppure tramite un ampio studio d’impatto.