Push-Nachrichten statt Broschüren

Elternbildungsangebote erreichen nicht alle Mütter und Väter gleichermassen. Die Parentu-App möchte diese Lücken schliessen – auch im Baselbiet.

Text: Philipp Grünenfelder

Ich war sehr auf mich alleine gestellt», blickt Yasmin Awelker in die Zeit nach der Geburt ihres inszwischenzweijährigen Amanuel zurück. «Ich hatte ja keine Familie hier, die mir Ratschläge geben konnte.» Die junge Mutter aus Münchenstein ist vor fünf Jahren aus Eritrea in die Schweiz gekommen und lernte Unterstützungsangebote erst nach und nach kennen. «Mir waren auch die hiesigen, teilweise sehr ungewohnten Erziehungs- und Betreuungsgewohnheiten nicht geläufig», gibt die 21-Jährige zu bedenken. Bis heute lerne sie jeden Tag dazu. Seit März auch mit der Parentu-App, die sie im Rahmen einer vom Kanton Basel-Landschaft mitfinanzierten und in mehreren Gemeinden und Kantonen durchgeführten Pilotphase kennengelernt hat – mit Begeisterung, wie sie versichert.

Hin zur Bringschuld

Das freut Peter Hruza, Mitinitiator des Angebots, das Eltern kostenlos und mehrsprachig mit Informationen rund um die Erziehung und kindliche Entwicklung versorgt. «Ohne dabei belehrend zu sein, richten wir uns bewusst an vulnerable Gruppen, die keinen oder nur schlechten Zugang zu Bildungsinformationen haben», erklärt der Sozialarbeiter. Zwar würden viele Kanäle in unterschiedlichen Sprachen existieren, «sie basieren aber fast immer auf Holstrukturen. Wir kehren das um und bedienen die User auf ihren Smartphones regelmässig mit Tipps, die dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechen», so der Co-Projektleiter. Sein Team um Fachpersonen aus den Bereichen Soziales, Bildung und Integration kann dafür auf fundiertes Material von kantonalen Gesundheitsdepartementen, der Elternbildung Schweiz und anderer Partner bauen. Erklärtes Ziel ist es, möglichst attraktive und breit gefächerte Basisinformationen anbieten zu können.

Mehrwert für Institutionen

Um dies zu erreichen, basiert Parentu auf einem Kooperationsmodell. «Es bietet Behörden und Institutionen wie zum Beispiel der Mütter- und Väterberatung oder Tagesheimen die Möglichkeit, unsere Texte, Bilder, Kurzfilme und Audio- Files mit eigenen Nachrichten zu ergänzen; etwa mit nach Postleitzahl eingrenzbaren Veranstaltungshinweisen», so Hruza. Die erfolgreiche Pilotphase habe bewiesen, dass dieses Modell eine Zukunft habe. «Nun sind wir in der Einführungsphase und gehen aktiv auf weitere potenzielle Partner zu», so der umtriebige Luzerner. Das nicht gewinnorientierte Projekt finanziert sich neben den Beiträgen der Projektpartner hauptsächlich über Stiftungsgelder, Beiträge der öffentlichen Hand und Privatspenden.

Direkter Zugang zu Usern

Die Kooperationspartner sind auch ein entscheidender Schlüssel im Erreichen von neuen Nutzerinnen und Nutzern. «Kindererziehung ist Vertrauenssache. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern die App über vertrauenswürdige Wege kennenlernen», betont Hruza. Der Trägerverein suche daher die enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort, «damit Parentu in die lokalen Kommunikationsstrategien eingebunden werden kann». Dazu gehöre das persönliche Vorstellen der App, etwa im Rahmen von Netzwerkveranstaltungen von Gemeinden und Institutionen. Auch deshalb reist er gegenwärtig viel herum. Derweil ist Yasmin Awelker zufrieden, dass sie ihren Bub endlich einmal in Ruhe baden konnte. «Letzthin habe ich eine Videonachricht bekommen, die zeigt, wie man Kleinkinder beim Waschen ablenken kann – wissen Sie, Amanuel hasst Wasser», erzählt sie lachend.

www.parentu.ch

Foto: zvg