Vernetzen und übersetzen

Mit dem vom Kanton initiierten Projekt «communis – Integration gemeinsam mit den Gemeinden» setzt Münchenstein auf interkulturelle Vermittlerinnen und Vermittler aus der Bevölkerung. 

Text: Jacqueline Beck

Es war ein besonderer Moment, als Anfang Juli 2016 sieben neue Mitarbeitende bei der Gemeinde Mün­chenstein ihre Arbeitsverträge unterschrieben. Stolz und eine ausserordentliche Motivation habe sie gespürt, er­zählt Kristine Sprysl, Leiterin der Abteilung Soziale Dienste. Denn die drei Personen aus Eritrea und je eine aus Afghanis­tan, Syrien, der Türkei und dem Kosovo sollen eine wichtige Rolle übernehmen: Sie werden ihre Landsleute dabei unter­ stützen, in einem neuen Alltag Fuss zu fassen.

Wenn die angehenden Kulturvermittlerinnen und ­-vermitt­ler im Herbst ihre vom Kanton mitfinanzierte Schulung ab­solvieren, beginnt die Umsetzungsphase eines Prozesses, der mit Elan vorangetrieben wurde. Der Anstoss kam von Seiten des Kantons, der mit seinem Projekt «communis» beabsichtigt, die Ziele aus dem ersten Kantonalen Integrationspro­gramm (2014–2017) auf kom­munaler Ebene zu verankern. Vertreter der örtlichen Behör­den und des Fachbereichs Integration Basel­Landschaft erar­beiteten gemeinsam ein Strategiepapier mit Empfehlungen, das auf die spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten der jeweiligen Gemeinde reagiert. 

Nutzen, was schon vorhanden ist

«Die wichtigste Erkenntnis war: Es wird jetzt schon sehr viel geleistet», fasst Sprysl den fruchtbaren Austausch innerhalb der Arbeitsgruppe zusammen. Münchenstein zählt rund 12'000 Einwohner aus 89 verschiedenen Nationen, rund 23 % der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Neben der Verwaltung sind zahlreiche kirchliche, private und gemeinnützige Organisationen im Integrationsbereich aktiv – was fehlte, war eine zentrale Koordination und Vernetzung der Angebote. Diese Aufgabe hat Mitte August die in der Gemeinde neu ge­schaffene Fachstelle Integration übernommen. Begleitet wird sie von einem Fachrat, der alle involvierten Akteure vereint und sich zweimal jährlich trifft. Die Stossrichtung ist klar: Man möchte eine Willkommenskultur schaffen, die «die Be­troffenen zu Beteiligten macht», wie Sprysl es formuliert.

Hier kommen die Vertreterinnen der zugewanderten Com­munitys ins Spiel: Selbst seit einigen Jahren in der Schweiz wohnhaft, wissen sie genau, was ein Ankommen aus ihrem Herkunftsland bedeutet. Sie helfen im Kontakt mit Behörden, zeigen wichtige Anlaufstellen und nehmen Neuzugezogene zum Dorffest mit. So setzen sie die Schwelle herab, die man­gels Sprachkenntnissen und Beziehungen zuweilen entsteht.

Identifikation mit dem eigenen Quartier

Um die Integration auf eine nachhaltige Basis zu stellen, möchte man darüber hinaus die Bewohnerinnen und Be­wohner zu einer aktiven Mitgestaltung ihres Umfeldes animieren. Denn in gewissen Quartieren hat Münchenstein eine hohe Bevölkerungsfluktuation. Ende Jahr wird ein 15-­köpfiger Ausländerrat gebildet, der den Puls spürt und Anregungen für neue Projekte einbringen kann. Er bezieht Vertretende aller grösserer Communitys wie diejenige aus Italien oder Sri Lanka mit ein. «Ich merke zunehmend, wie wichtig es ist, die Leute teilha­ben zu lassen», berichtet Kristine Sprysl. «Viele wollen sich einbringen, aber es fällt nicht allen gleich leicht.» Den Kul­turvermittelnden kommt damit eine wahre Schlüsselfunk­tion zu: Sie tragen zu einem besseren Verständnis auf beiden Seiten bei.