Mit Globi in Rumänien

Daniela Husanu betreut betagte Schweizerinnen und Schweizer. Zwischen den Einsätzen lebt sie mit ihrer Familie in Siebenbürgen und arbeitet auch dort in der Pflege – ein Spagat auf mehreren Ebenen.

Text: Philipp Grünenfelder

Lachen. Immer wieder ein herzhaftes Lachen. Daniela Husanu scheint sich wohl zu fühlen in der gemütlichen Wohnküche nahe Bern. Daran ändert auch nichts, dass ihre «Gastgeberin» regelmässig ihre deutsche Aussprache korrigiert. Das Verhältnis zwischen der Betreuerin aus Rumänien und der weitgereisten und sprachgewandten Rentnerin ist vertraut, fast freundschaftlich. Dabei teilen sie sich den Haushalt erst seit zwei Monaten und werden es vorerst auch nur noch wenige Wochen tun. Husanu kommt seit ein paar Jahren für befristete Betreuungseinsätze in die Schweiz. Um für ihre Familie Geld zu verdienen und unseren zunehmenden Bedarf an Betreuungspersonen zu decken. «Ich koche, gehe einkaufen, bereite die Medikamente für Frau Stöckli vor oder begleite sie zu Terminen», zählt die gelernte Pflegefachfrau ein paar ihrer aktuellen Aufgaben auf. 

Dass die beiden so gut miteinander klarkommen, ist nicht nur dem Faktor Glück geschuldet. Entgegen einiger anderer Kurzaufenthalterinnen und Kurzaufenthaltern, die im privaten Pflege- und Betreuungsbereich arbeiten, wird die 43-Jährige über Caritas Care professionell vermittelt und begleitet. Dazu gehört auch, dass die Verantwortlichen vorab sorgfältig abklären, welche Persönlichkeiten zusammenpassen. «Und ich weiss, dass alles legal ist und ich einen angemessenen Lohn erhalte», sagt Husanu. Sie weiss, dass das nicht selbstverständlich ist, weder in ihrem Job noch bei saisonalen Beschäftigungen auf dem Bau, im Gastgewerbe oder in der Landwirtschaft. «Da ich eine Familie habe, möchte ich mich auch in der Schweiz sicher fühlen», betont sie. Ihre beiden Töchter und den Sohn im Alter von 5 bis 16 Jahren vermisst sie natürlich, «aber zum Glück gibt es Skype und wir können uns jeden Tag austauschen». Ihr Ehemann, der als Polizist tätig ist, unterstütze sie. Er sei froh um den Verdienst seiner Frau. «Zudem kümmert sich meine Schwiegermutter während meiner Abwesenheit liebevoll um den Nachwuchs. Gleichwohl mussten wir das ausführlich diskutieren, bevor ich mich wirklich darauf einlassen konnte», sagt sie rückblickend und weiss auch nicht, wie lange sie das machen will. «In meiner Heimatstadt arbeite ich ebenfalls bei einer Spitex, was mir sehr gefällt – wenn nur die Löhne genauso fair und das Gesundheitswesen genauso gut organisiert wären wie hier.»

Die Betreuerin und die Betreute sprechen oft über persönliche Befindlichkeiten, ihre Angehörigen und Freunde. Das gibt beiden viel. «Wenn ich hier bin, gilt meine volle Aufmerksamkeit der Betreuung von Frau Stöckli. In der Freizeit treffe ich Freundinnen, die ich aus Sprachkursen oder Weiterbildungen bei der Caritas kenne», sagt Husanu und bringt noch einen ganz anderen treuen Begleiter ins Spiel. «Globi gehört zu mir, seit ich in der Schweiz bin. Der Mann, den ich vor sechs Jahren betreuen durfte, schenkte mir einen Band, damit ich einfache deutsche Sätze lesen kann», erzählt sie und strahlt dabei. Mittlerweile kennt sie mehrere Bände, denn über die Comicfigur lernt sie nicht nur die Sprache, sondern auch allerlei über die Schweiz. «Das erzähle ich zu Hause auch meiner Kleinsten, damit sie etwas von meinem Leben hier mitbekommt – genauso wie die anderen Familienmitglieder, wenn ich ihnen Schweizer Gerichte koche.» Denn das Kochen liegt ihr am Herzen, gehört es doch zu einer ihrer Aufgaben in der Schweiz, etwas Gutes auf den Tisch zu bringen. Und auch diesbezüglich scheint Frau Stöckli eine gute Mentorin zu sein. «So manche leckere Sosse kenne ich vom ihr», freut sich die Betreuerin. «Von ihr», kontert Frau Stöckli und fügt fast entschuldigend an: «Ich will doch nur, dass sie möglichst viel profitiert, da darf ich schon ein bisschen streng sein.» Was folgt? Einstimmiges Gelächter.

5 Prozent der ausländischen Erwerbstätigen kommen für einen Kurzerwerbsaufenthalt in die Schweiz.