Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

«Dene wos guet geit giengs besser, giengs dene besser wos weniger guet geit.» Die Songzeilen des legendären Liedermachers Mani Matter bringen auf den Punkt, was viele Expertinnen und Experten sagen: Im Interesse von uns allen sollten wir uns besser um die Ärmsten der Gesellschaft kümmern, statt sie zu ignorieren. Und Armutsbetroffene gibt es leider auch in der reichen Schweiz viele. Die Statistik spricht von 615 000 oder 7,5 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung. Hinter diesen Zahlen verbergen sich individuelle Schicksale, die der breiten Öffentlichkeit oft verborgen bleiben, weil sich Betroffene zurückziehen – aus Scham und weil sie sich die Teilhabe an unserer erfolgs- und konsumorientierten Gesellschaft schlicht kaum leisten können.

Die Gründe, weshalb jemand plötzlich zu wenig hat, um ein einigermassen normales Leben zu bestreiten, sind vielfältig. Das können strukturelle Ursachen sein wie der sich stark wandelnde Arbeitsmarkt oder steigende Ansprüche an Berufsqualifikationen. Aber auch persönliche Faktoren wie gesundheitliche oder familiäre Schicksalsschläge. Ein besonderes Augenmerk gilt es diesbezüglich auch auf diejenigen Bevölkerungsteile mit Migrationshintergrund zu werfen, die überdurchschnittlich armutsgefährdet sind: etwa die erste Einwanderergeneration, die gegenüber Menschen ohne Migrationshintergrund signifikant viel stärker betroffen ist.

Weshalb das so ist, zeigen wir mit dieser Ausgabe der MIX genauso auf, wie wir veranschaulichen wollen, welche Ursachen der Armut zugrunde liegen. Und vor allem, welche Lösungen den Teufelskreis jeder und jedes Betroffenen durchbrechen lassen – auf dass es ihnen künftig tatsächlich besser «geit».