Lücken schliessen

Das Pilotprojekt Integrationsvorlehre erleichtert jungen Geflüchteten den Übergang in die Berufsausbildung.

Text: Jacqueline Beck

Bei uns gibt es die Integrationsvorlehre wegen Filimon Woldeselassie»,sagt Tobias Sprecher, Inhaber und Geschäftsführer der Leonhardt Spenglerei AG in Basel. Im Frühling 2017 hatte ihm der damals 19-jährige Eritreer eine Bewerbung geschickt. Zu jener Zeit besuchte er gerade die Integrations- und Berufsvorbereitungsklasse in Muttenz. Sprecher lud ihn zu einer Schnupperwoche ein – und hängte später ein halbjähriges Praktikum an. Dass der junge Mann ein motivierter, angenehmer und zuverlässiger Mitarbeiter war, erkannte sein Betreuer rasch. Bereits in seinem Heimatland hatte Woldeselassie im Metallbau gearbeitet und brachte entsprechendes handwerkliches Geschick mit. Nur mit den Deutschkenntnissen haperte es noch. Diese reichten nicht aus, um im darauffolgenden Sommer eine reguläre Lehre anzutreten. «Es gibt Jugendliche, die können, aber nicht wollen», sagt Sprecher. «Bei Filimon war ganz klar, dass er wollte. Also haben wir nach einer Lösung gesucht.»

Breites Berufsspektrum

Die Integrationsvorlehre (INVOL) hat der Bund auf das Schuljahr 2018/19 hin als vierjähriges Pilotprojekt lanciert. Anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen soll damit der Übergang in die Berufsausbildung erleichtert werden. Während eines Jahres können sie Lücken bei den sprachlichen, kulturellen und beruflichen Grundkompetenzen schliessen, um später möglichst einen qualifizierten und ihren Fähigkeiten entsprechenden Berufsweg einschlagen zu können. So will der Bund langfristig die Sozialhilfekosten senken. Im Kanton Basel-Landschaft absolvieren aktuell 30 junge Flüchtlinge in 15 verschiedenen Berufen eine INVOL. Im Unterschied zu anderen Kantonen, wo mit Branchenverbänden wie GastroSuisse kooperiert wird, ist sie hier in allen Berufen möglich. Voraussetzung ist, dass sie bei einem anerkannten Lehrbetrieb stattfindet.

Auch Ältere ansprechen

Von der angehenden Pharma-Assistentin über den Schreiner bis hin zur Fachperson Pflege oder Betreuung: Alle haben ihre Vorlehrstelle auf eigene Faust – teilweise auch über die Kantonsgrenzen hinaus – gefunden. An zwei Tagen pro Woche drücken die Lernenden die Schulbank, an den anderen dreien sind sie im Betrieb. Auch für die kommenden drei Jahre sind am Bildungszentrum kvBL in Muttenz 30 bzw. ab 2020 jeweils 37 INVOL-Plätze reserviert. Darauf sollen künftig vermehrt auch bis 35-Jährige aufmerksam gemacht werden, wie Anne Tondorf vom Stab Berufsbildung des Kantons erläutert. Den Fokus will man nach dem ersten Pilotjahr auf die vertiefte Potenzialabklärung legen. Neben der beruflichen Erfahrung ist dabei vor allem das Sprachniveau (mind. A2) ausschlaggebend. Tondorf, Woldeselassie und Sprecher sind sich einig: Der Erfolg der INVOL steht und fällt mit den Sprachkenntnissen. Der junge Eritreer besucht an zwei Abenden pro Woche einen zusätzlichen Deutschkurs. Die Fachausdrücke lernt er direkt auf dem Bau. Seine Anstrengungen zahlen sich aus: Den Eignungstest des Branchenverbandes hat er bereits bestanden. Im August beginnt er die Lehre zum Spengler EBA.