Aktenberge ohne Ende

Der Weg zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen und Diplomen ist für Menschen aus Drittstaaten steinig. Das Laufbahnberatungsprojekt MosaiQ des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) unterstützt die Betroffenen beim Einstieg in den Schweizer Arbeitsmarkt. Wie nötig ein solches Angebot ist, erzählen drei Teilnehmende.

Texte: Güvengül Köz Brown
Fotos: Donata Ettlin


Olga Kümmerli.

Bei null anfangen

Olga Kümmerli, Marketinganalytikerin aus Russland

«Als ich vor fünf Jahren mit meinen zwei Töchtern in die Schweiz kam, hätte ich nie gedacht, dass es trotz meiner Qualifikationen so schwierig sein wird, eine Anstellung zu finden. Weder mein Uni-Abschluss, noch meine langjährige Erfahrung als Marketinganalytikerin haben mir geholfen. Sie waren nichts wert, und mir wurde unweigerlich klar, dass ich wieder bei null anfangen musste. Da mir meine finanzielle Unabhängigkeit sehr wichtig ist und ich unbedingt arbeiten möchte, wollte ich vorwärtsschauen und das Beste aus der Situation machen. Über Bekannte meines Mannes habe ich angefangen, eine behinderte Frau zu pflegen. In diesem Bereich möchte ich mich nun beruflich weiterbilden und irgendwann als Pflegefachfrau arbeiten. Meine MosaiQ-Beraterin ist dabei eine immense Hilfe. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass alles gut kommt. Denn es mag zwar sein, dass ich viel verloren habe, aber ich habe auch viele neue Erfahrungen dazugewonnen.»


Erick David Salas Marmanillo

Ein normales Leben führen

Erick David Salas Marmanillo, Informatikingenieur aus Peru

«Zugegebenermassen hatte ich viel Glück seit meiner Ankunft in der Schweiz vor knapp einem Jahr. Dank MosaiQ konnte ich die Einstufung meines Uni-Diploms relativ schnell abklären lassen. Es entspricht einem Schweizer Bachelor, was eine tolle Ausgangslage ist, um beruflich darauf aufzubauen. Anfang 2018 wurde mir auch eine Praktikumsstelle bei einer IT-Firma vermittelt, wo ich derzeit als Supporter tätig bin. All das erleichtert mir das Ankommen, auch wenn ich sprachlich noch viel dazulernen muss. Dennoch bin ich sehr glücklich mit meiner Situation, weil ich sehe, dass die richtigen Schritte in die Zukunft eingeleitet wurden. Wie lang der Weg schliesslich sein wird, kann ich heute nicht abschätzen, aber ich freue mich schon jetzt auf die Zeit, wenn ich auchhierwiedereinganznormales Leben führen kann– mit einem herausfordernden Job, Ferien und langen Spaziergängen mit meiner Frau.»


Bassema Alhalabi

Viele Hürden überwinden

Bassema Alhalabi, Sozialarbeiterin aus Syrien

«Seit fünf Jahren komme ich beruflich nicht vom Fleck. Frustriert bin ich deshalb nicht, aber enttäuscht schon. Man muss Zeit, Geld und Geduld haben, wenn man die administrativen Hürden auf dem Weg ins Arbeitsleben überwinden will. Ich habe in Damaskus mehrere Jahre als Sozialarbeiterin im SOS-Kinderdorf und danach an einer Grundschule gearbeitet. Dass ich damit hier nichts anfangen kann, ist das eine. Viel erschwerender sind die sprachlichen Barrieren. Selbstverständlich ist es mir bewusst, dass das Beherrschen der deutschen Sprache eine zentrale Voraussetzung für den Einstieg in den erlernten Beruf ist. Aber wie soll man dieses Ziel ohne intensive Kontakte zu Arbeitskolleginnen und -kollegen erreichen? Es ist schwierig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen – erst recht, wenn man auf sich selbst gestellt ist. Mit dem Angebot von Heks komme ich meinem Traum hoffentlich demnächst näher: eine Arbeit finden, meinen Ehemann finanziell entlasten und vor allem meinen Töchtern ein Vorbild sein.»