Der Glaube an sich selbst

Das Pilotprojekt LOS! gibt spät migrierten Jugendlichen auf dem Weg zur Lehrstelle die Chance, neues Selbstvertrauen zu entwickeln.

Text: Jacqueline Beck

Nach den Sommerferien fängt für zahlreiche junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt an: Es ist Lehrbeginn. Diesem Start ins Erwerbsleben geht ein intensiver Prozess der Berufsfindung und Bewerbung voraus. Jährlich nehmen dabei rund 800 Jugendliche die Unterstützung des Zentrums Berufsintegration Basel-Landschaft (Zentrum BI BL) in Anspruch. Darunter sind auch eine steigende Anzahl spät migrierter Jugendlicher und junger Erwachsener im Alter von 16 bis 25 Jahren, die nach der obligatorischen Schulzeit in die Schweiz eingereist sind.

Einer von ihnen ist der 19-jährige Bashir aus Syrien. Nach einigen Deutschkursen besuchte der kecke Schüler für ein Jahr die Integrations- und Berufsvorbereitungsklasse IBK. Schulisch teilweise unterfordert, war Bashir bei der Lehrstellensuche plötzlich auf sich alleine gestellt. Er landete beim Zentrum BI BL und hatte Glück: Dieses startete im Herbst ein Pilotprojekt namens LOS!, das die Lücke zwischen migrationsspezifischen und regulären (Berufs-)Bildungsangeboten schliessen will.

Realitätsnähe schaffen

Um 9 Uhr morgens treffen sich die zehn Teilnehmenden in der Werkstatt. Tags zuvor hatten sie hier eine neue Küche eingeweiht. Jetzt gilt es, die noch anstehenden Arbeiten zu verteilen: Es braucht eine Recyclingstation und Tablare. Bashir sucht im Internet nach Ideen für die Aufbewahrung der Küchenmesser. Mit Programmleiter Bastian Seelhofer bespricht er die Möglichkeiten. Er sei handwerklich nicht besonders begabt, findet Bashir. «Aber es gibt mir ein gutes Gefühl, etwas verwirklichen zu können.»

«Wir lernen hier alle, indem wir Dinge ausprobieren», sagt Seelhofer. Bei LOS! sollen die Jugendlichen merken: Es dürfen auch Fehler passieren. «Viele haben durch ihre Fluchterfahrung verinnerlicht, nicht scheitern zu dürfen.» Einen sicheren Ort zu schaffen, darum geht es auch dem Stellenleiter des Zentrums BI BL, Fortunat Schwarz: «Die jungen Menschen haben schwierige Erfahrungen hinter sich, viele sind Kinder einer Diktatur. Sie sind es gewohnt, hart zu arbeiten. Aber dass sie selbstbestimmt agieren und Eigeninitiative entwickeln sollen, ist neu für sie.»

Individuelle Lernformen nutzen

LOS! nimmt bewusst Tempo raus und bietet eine enge Begleitung. Während vier Halbtagen pro Woche verbessern die Jugendlichen im Lernforum ihr Deutsch, setzen sich mit kulturellen Gepflogenheiten und ihrer Biografie auseinander. Individuelle Lernformen und Gruppendiskussionen stehen dabei im Vordergrund. Erst im Frühjahr beginnt die Suche nach einer Anschlusslösung.

«Ich hatte am Anfang grossen Stress, eine Lehrstelle zu finden», erzählt Bashir. «Ich wusste nicht einmal, welche Berufe es gibt.» Inzwischen ist er überzeugt: «Ich möchte Kaufmann Bank werden.» Ein hohes Ziel wegen der Fremdsprachen, das sei ihm bewusst. Doch Schritt für Schritt bewegt er sich darauf zu: «Ich finde es toll, dass man sich in der Schweiz stetig weiterbilden kann.» Der junge Mann hat spürbar Selbstvertrauen aufgebaut. «Das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist auf Menschen zuzugehen.» Vor wenigen Tagen kam die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Bashir hat keine Angst mehr davor.

LOS!

Das Pilotprojekt LOS! (2017–2019) wird vom Zentrum Berufsintegration Basel-Landschaft, dem Förderverein Mentoring sowie der Stiftung Rina und Heinrich Gysel getragen. Unternehmen sind herzlich eingeladen, Plätze für Schnupperlehren oder Praktika anzubieten.

Zentrum Berufsintegration BL
Bastian Seelhofer, 
Programmleitung LOS!
061 552 79 84
bastian.seelhofer(at)bl.ch