«Man darf sich mental nicht abschotten»

Dort, wo sonst Männer das Sagen haben, ist sie meist die Chefin. Heliane Canepa, die First Lady des FC Zürich, über Geschlechterrollen, interkulturelle Zusammenarbeit und nationale Zugehörigkeit.

Interview: Güvengül Köz Brown

MIX: Frau Canepa, Ihr Vorname stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Licht beziehungsweise Tochter der Sonne. Sagt das etwas über Ihre Persönlichkeit aus?

Heliane Canepa: In meiner Gymi-Zeit musste ich mich mit Griechisch herumschlagen. Ich lernte, dass Helios ein griechischer Sonnenkönig war. Also interpretierte ich eigenwillig, dass der Name Heliane wohl davon abgeleitet wurde. Wie dem auch sei: Ja, ich bin tatsächlich ein optimistischer, meistens aufgestellter und fröhlicher Mensch.

MIX: In der Schweiz sind Frauen in Chefetagen immer noch rar. Sie waren aber schon vor zehn Jahren CEO von Nobel Biocare, dem weltgrössten Hersteller von Zahnimplantaten. Was haben Sie anders gemacht, um sich in der männerdominierten Businesswelt zu behaupten?

HC: Ich habe mich nicht mit der Frage «Mann oder Frau» beschäftigt. Ich habe mich darauf konzentriert, Leistung und Resultate zu bringen. Die sind weder männlich noch weiblich, aber messbar.

MIX: Und wie fühlen Sie sich in der Männerdomäne Fussball?

HC: Hervorragend. Natürlich war am Anfang eine gewisse Skepsis vorhanden. In der Zwischenzeit haben meine Kollegen beim FCZ aber schon gemerkt, dass ich mich intensiv mit dem Thema Fussball beschäftige. Auch die Managementerfahrung, die ich tagtäglich einbringen kann, stösst durchaus auf offene Ohren.

MIX: Diversity wird heute insbesondere in Grossunternehmen als Erfolgsfaktor gefeiert. Das heisst, je heterogener die Teams in Bezug auf Alter, Geschlecht, Nationalität und Religion sind, desto grösser ist deren Leistungsfähigkeit. Was sagen Ihre Erfahrungen dazu?

HC: Mit dieser Einschätzung bin ich hundertprozentig einverstanden. Das gilt auch für Fussballmannschaften.

MIX: Mit Vielfalt haben Sie als Verwaltungsrätin des FC Zürich tatsächlich zu tun. Insbesondere, weil Fussball wie keine andere Sportart von Interkulturalität geprägt ist. Gleichzeitig gehören Rassismus, Sexismus und Homophobie im Sport zur Tagesordnung. Hat Ihr Club zu diesen Themen eine Strategie?

HC: Wir beim FCZ leben eine offene und interkulturelle Zusammenarbeit tagtäglich vor. Ausserdem unterstützen wir aktiv Projekte, die solche Themen beinhalten.

MIX: Als Vorarlbergerin haben Sie sozusagen auch einen Migrationshintergrund. Was bedeutet es für Sie, in einer globalisierten Welt einer bestimmten Nationalität anzugehören?

HC: Die eigene Herkunft ist sicherlich prägend und tief verwurzelt. Trotzdem darf man sich mental nicht abschotten. Aufgrund meiner privaten und beruflichen Vergangenheit war in meinem Kopf überhaupt nie Platz für engstirnigen Nationalismus. Ich habe mehrere Jahre im Ausland gelebt, in Schweden, in den USA, in Frankreich und England. «At the end of the day» sind wir doch alle gleich, mit den gleichen Träumen, mit den gleichen Sorgen. Gerade wir Schweizer können aufgrund unserer Geografie, aber auch aufgrund unserer Geschichte diesbezüglich ein Vorbild sein.

Heliane Canepa. Foto: © simon+kim, werbefotografie.ch gmbh
Heliane Canepa. Foto: © simon+kim, werbefotografie.ch gmbh