Scharfer Weltenbummler

Foto: Claudia Link

Das Sackmesser ist nicht nur praktischer Reisebegleiter, sondern auch rastloser Ein- und Auswanderer.

Seit seiner Erfindung hat das Schweizer Armeemesser längst die ganze Welt und mit der NASA sogar den Weltraum erobert. Brachten es erstmals im grossen Stil US-Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg als Souvenir nach Hause, wollten spätestens seit den haarsträubenden Abenteuern des Fernsehhelden MacGyver alle eines.

Das Schweizer Nationalgut verfügt allerdings nicht erst seit seiner Karriere als Exportschlager über Migrationshintergrund. Das Klappmesser ist einst selbst in die Schweiz eingewandert. Zumindest wurde das erste nachweisbare Exemplar nicht auf dem Rütli, sondern im österreichischen Salzkammergut gefunden. Man kann nur ahnen, was die Kelten vor 2'500 Jahren mit dieser Eisenklinge mit Heft aus Knochen alles angestellt haben.

Made in Germany

Selbst das erste offi zielle Schweizer Armeemesser ist nicht hierzulande produziert worden. Die einheimischen Messerschmiede hatten Ende des 19. Jahrhunderts schlicht zu wenig Kapazität für den Grossauftrag von 15'000 Exemplaren mit Griffschalen aus geschwärztem Eichenholz mit Klinge sowie Dosenöffner, Schlitzschraubenzieher und Ahle. Die deutsche Manufaktur Wester & Co. aus Solingen lieferte die erste Serie. Defi nitiv eingebürgert wurde das Sackmesser 1891 mit der Produktionsübernahme der Firma Karl Elsener aus dem schwyzerischen Ibach. Unter dem Namen Victorinox tut sie das bis heute.

Text: Philipp Grünenfelder

Eingebürgert

In dieser Rubrik stellt die MIX Alltägliches mit Migrationshintergrund vor, das wir längst eingebürgert und ins Herz geschlossen haben. Nächstes Mal: die Bratwurst.