Aramsamsam, aramsamsam

Sprechreime und Erzählungen ermöglichen Kindern einen spielerischen Sprachzugang. Das Projekt «Schenk mir eine Geschichte» macht sich das zunutze.

Die Bilderbuchlandschaft, in der Handan Sahans Stimme einen Hoppelhasen und dessen Freunde zum Leben erwecken will, präsentiert sich zuerst etwas gar grau. Bis die interkulturelle Animatorin mit ihrer Erzählkunst und den wechselnden Bilderbögen nach und nach sowohl den Nager als auch die horchenden Kinder und ihre Mütter in eine bunte Welt entführt. Sahan leitet in Birsfelden das vorschulische Förderangebot «Schenk mir eine Geschichte». Dabei wird hier nicht nur erzählt, sondern auch gesungen, gespielt und gebastelt. Passend zu den Farben in der Tierwelt befinden sich etwa auf dem Teppichboden Bauklötzeund andere Spielsachen, die die zwölf Mädchen und Buben im Alter von zwei bis fünf Jahren im Verlauf der Erzählung treffend auswählen und stolz präsentieren. Später werden sie mit Kreide und Filzstiften ihre eigenen Figuren auf ein ausgelegtes Packpapier zaubern.

Erstsprache stärken

Das hier alle drei Wochen stattfindende Projekt verfolgt mehrere Ziele. «In erster Linie wollen wir die sprachliche Entwicklung von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund fördern», erklärt die Leseanimatorin und begründet auch gleich, weshalb sie das sowohl in Hochdeutsch und Basler Mundart als auch in der Herkunftssprache macht: «Das Lernen einer Zweitsprache fällt einfacher, wenn Mädchen und Buben ihre Erstsprache beherrschen.» In ihrer Gruppe ist das grösstenteils Türkisch, aber es nehmen auch Kinder und Mütter aus Äthiopien, Marokko, Mazedonien und anderen Ländern an ihren lehrreichen «Geschichtenstunden» teil. Im kostenlosen Angebot, das in erster Linie von den Gemeinden und dem Fachbereich Integration des Kantons Basel-Landschaft getragen wird, sieht sie eine sinnvolle Ergänzung zu den Spielgruppen oder Kinderkrippen. «Es bezieht die Erziehungsberechtigten aktiv mit ein. Gerade für Eltern aus bildungsfernen Milieus ist es wertvoll zu sehen, wie sie die Kleinen in ihrer Sprachentwicklung lustvoll und abwechslungsreich fördern können», so Sahan.

Die anwesenden Mütter wissen das zu schätzen. Bereits am einführenden Gruppensingen beteiligen sie sich mit Herzenslust. Melodische Kinderreime wie «Aramsamsam» animieren auch sie zum Reihentanz, und die Kinder sind nicht die einzigen, die über das ganze Gesicht strahlen. Eine davon ist Bahar mit ihrer vierjährigen Tochter Ilayda: «Türkische Kindergeschichten und -lieder sind mir zwar geläufig, aber hier bekomme ich darüber hinaus viele andere Ideen mit.» Damit meint sie auch den Austausch mit den anderen Müttern, die oft in einer ähnlichen Situation sind und zustimmend nicken. Derweil bekommen die Kinder ein gesundes Zvieri, das seinerseits mit einem gemeinsam gesprochenen Reim eingeläutet wird.

Qualität sichern

Das mehrfach ausgezeichnete Konzept stammt aus der Feder des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien. Es wird mittlerweile in der ganzen Schweiz und in unterschiedlichsten Sprachen angewendet. Im Baselbiet auch in Pratteln und Liestal. Kantonale Koordinatorin ist Sylvie Anderrüti. Sie ist nicht nur dafür besorgt, dass die Animatorinnen von einer guten Infrastruktur und wechselndem Material profitieren, sondern auch dafür, dass sie gecoacht werden. Denn so eingängig ein Kinderreim sein mag, seine didaktische Anwendung bleibt eine dauernde  Herausforderung.

Text: Philipp Grünenfelder

www.sikjm.ch

Für kleine Leseratten

Die Kantonsbibliothek Baselland in Liestal verfügt über ein breites Angebot an fremdsprachigen Medien für Kinder und Jugendliche. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Festigung ihrer Herkunftssprache – aber auch zum vertieften Deutschlernen. Beispielsweise mit den zweisprachigen und unterhaltsamen Easy-Readern oder einer Vielzahl an Lernhilfen und Sprachkursen. Die Zusammenstellung des kontinuierlich ergänzten Angebots erfolgt im Austausch mit Sachverständigen aus den jeweiligen Kulturkreisen sowie Partnerbibliotheken.

www.kbl.ch