Tatsachen gegen Vorurteile

ALLE STRASSEN VERDRECKT, DIE RESTAURANTS ZU, KEIN MARKT, KEINE CHEMISCHE INDUSTRIE, KEINE SPITÄLER. HERRLICH.

Rund 20% der in der Schweiz lebenden Menschen haben keinen Schweizer Pass. Aber diese 20% machen gut ein Viertel der erwerbstätigen Bevölkerung aus. In Basel-Stadt beträgt der Anteil der Migrantinnen und Migranten 28%, in Basellandsind es 17,9%. In beiden Kantonen ist aber ein Drittel der Erwerbstätigen ausländischer Herkunft.

Im Gastgewerbe sind es 34% der Angestellten, im Baugewerbe 26%, im Gesundheits- und Sozialwesen 24%. In Basel-Stadt verdanken wir die sauberen Strassen zu einem guten Teil den ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Oder nehmen wir unsere chemische Industrie: Sie könnte mit Schweizerinnen und Schweizern allein keinen Tag lang produzieren.

Die oft gehörte Behauptung, Migrantinnen und Migranten nähmen uns die Arbeit weg, stimmt ganz einfach nicht. Im Gegenteil: Die Wirtschaft der ganzen Nordwestschweiz käme ohne sie schlicht zum Erliegen, das Gesundheitswesen ebenso. Abgesehen davon sind sie auch als gute Konsumentinnen und Konsumenten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Denn entgegen einer weit verbreiteten Meinung senden sie das meiste Geld keineswegs in ihre Herkunftsländer, sondern sie brauchen es für ihren Lebensunterhalt hier bei uns und können sich dadurch auch mehr leisten.

Erwerbstätige jedweder Nationalität bezahlen übrigens Steuern und AHV, Sozialleistungen und Krankenkassenbeiträge wie wir alle. Sie arbeiten gerne und gut bei uns, vorausgesetzt man erlaubt ihnen, zu arbeiten. Dafür verdienen sie nicht nur einen fairen Lohn, sondern auch eine korrekte und respektvolle Behandlung.

Genauso wie die rund 600 000 Schweizerinnen und Schweizer, die im Ausland leben.

AUSLÄNDER, MIGRANTIN, IMMIGRANT, EMIGRANTIN, ASYLSUCHENDE – WER IST JETZT BITTE WAS?

Völkerwanderungen gab es schon immer. Menschen zogen auf der ganzen Welt von Süden nach Norden, von Osten nach Westen, vom Land in die Städte. Auch bei uns. Zur Zeit erlebt ganz Westeuropa die Einwanderung aus Süden und Osten. Die bringt Chancen, aber auch Probleme. Doch diese lassen sich mit gegenseitiger Unterstützung, Verständnis und Toleranz lösen. Dazu möchten wir – die Regierungen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft – mit einer Informationskampagne beitragen.

Ausländerinnen und Ausländer
Ausländer, bzw. Ausländerin ist ein staatsrechtlicher Begriff, der nichts mit Herkunft, Hautfarbe und politischer oder religiöser Einstellung zu tun hat. Ausländerinnen und Ausländer sind Menschen, die sich in einem Staatsgebiet aufhalten, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzen. Das gilt für alle Personen weltweit, die sich ausserhalb ihres Heimat­staates befinden, seien es Touristinnen und Touristen oder Geschäftsreisende. «Heimatstaat» muss nicht gleichbedeutend mit dem Geburtsland oder dem Wohnort sein – es geht hier allein um die Staatsangehörigkeit. Wussten Sie übrigens, dass 60% unserer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Schweizgeboren sind oder seit über 15 Jahren hier wohnen?

Migrantinnen und Migranten
Migrantinnen und Migranten sind Menschen, die mit dem Ziel einer zeitweisen oder dauernden Wohnsitznahme in ein fremdes Land ziehen. Migration heisst einfach Wanderung, Wanderung über Landesgrenzen – Immigration ist die Einwanderung, Emigration die Auswanderung. Asylsuchende sind Menschen, die in einem anderen Land Schutz suchen vor Verfolgung und Bedrohung im eigenen Land. In Basel-Stadt beispielsweise sind das lediglich 0,5% der Bevölkerung, in Baselland rund 1%.

Die richtige Verwendung von ethnischen und politischen Begriffen bezeichnet man heute international als «political correctness». Aber worauf es wirklich ankommt, ist das menschlich korrekte Verhalten, alle Menschen als gleichwertig zu betrachten und zu respektieren. Schauen Sie sich mal Ihre eigene Familiengeschichte an. Sehr wahrscheinlich werden auch Sie jemanden finden, der in die Schweizeingewandert ist. Wenn nicht, sind Sie die Ausnahme.

DIE JUDEN HEILIGEN DEN SABBAT. DIE MOSLEMS DEN FREITAG. UND WAS MACHEN SIE SO AM SONNTAG?

Der Bedarf an Arbeitskräften, Kriege und Armut haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren Menschen aus anderen Kulturkreisen und mit anderen Religionen in unser Land und in unsere beiden Kantone kamen.

Sie wundern sich über unsere grossen und meist leeren Kirchen – und mehr noch über das Misstrauen, das man ihnen entgegenbringt, nur weil sie erstens aus anderen Ländern kommen und zweitens Muslime, Hindus, Buddhisten oder was auch immer sind.

Dabei sind sie erstens Menschen. Zweitens Menschen, die selbst – oder deren Vorfahren – eingewandert sind. Und drittens Menschen, die bei allem Willen zur Integration ihre kulturelle und religiöse Identität nicht verlieren möchten. Bitte: Würden Sie Ihre Identität und Überzeugung im Ausland aufgeben wollen?

Laden Sie doch einmal ihre türkischen Nachbarn zum Essen ein – nicht gerade während des Ramadan und bitte zu einem Menü ohne Schweinefleisch. Sie werden nette Menschen kennenlernen und erfahren, warum sie ihre Heimat verlassen haben. Sie werden vielleicht nicht alles verstehen, aber Sie werden feststellen, dass diese Menschen gar nicht soviel anders denken und fühlen als wir.

Vielleicht merken Sie dann, dass das «Ausländerproblem» zu einem guten Teil ein «Schweizerproblem» ist. Und eigentlich keines sein müsste.

Wie wär’s mit nächstem Sonntag?

DIE SCHWEIZERINNEN UND SCHWEIZER MÖGEN DIE AUSLÄNDER. MANCHMAL.

Welcher FCB-Fan hat damals nicht gejubelt, als Jean-Michel Tchouga aus Kamerun gleich bei seinem Einstand alle 4 Tore gegen Sion geschossen hat. Und niemand, der sich an der schwarzen Hautfarbe unter dem FCB-Leibchen gestossen hätte. Warum auch? Gimenez, Rossi, Atouba und Co., alles Schweizer? Auch die Gebrüder Yakin tragen keine typisch einheimischen Namen. Und wenn Martina Hingis Top-Tennis spielt, denkt niemand daran, dass sie aus der Slowakei stammt.

Die Liste lässt sich mit Künstlern beliebig fortsetzen. Yehudi Menuhin hat jahrzehntelang in Gstaad ein international renommiertes Festival geleitet. Hermann Hesse, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke lebten in der Schweiz. Heute sind es Tina Turner, Sibylle Berg, Phil Collins, Massimo Rocchi usw.

All dies gereicht unserem Land zur Ehre. Aber es hat leider eine Kehrseite: Warum haben es Menschen, die weniger sportlich, berühmt oder reich sind, oft so schwer, hier Fuss zu fassen? Manche von ihnen haben übrigens in ihrem Heimatland eine hervorragende Ausbildung erhalten, können oder dürfen ihren Beruf jedoch hier nicht ausüben.

Es wäre doch zu wünschen, dass alle Migrantinnen und Migranten, die guten Willens und in ehrlicher Absicht zu uns kommen, sich hier ihren Möglichkeiten entsprechend entfalten könnten. Es ist für unser Land ein unschätzbarer Vorteil, dass Fachleute aus über 100 Ländern für unsere Wirtschaft arbeiten. Intelligenz und Fleiss finden sich überall auf der Welt – und darauf zu verzichten, wäre ein Eigengoal.

Apropos: 1902 arbeitete ein junger Schwabe am Eidgenössischen Patentamt in Bern. Man sagt, er habe dort immer unverständliches Zeug auf die Akten gekritzelt. 1909 wurde er zwar Professor in Zürich, kehrte aber bald darauf wieder nach Deutschland zurück, wo man ihm bessere berufliche Möglichkeiten bot. Sein Name? Albert Einstein.

Sicher sind nicht alle Zugewanderten Genies. Auch nicht alle Schweizerinnen und Schweizer. Aber wenn sich eines findet, soll es nicht verkannt werden – woher auch immer es kommen mag.

DIESE AUSLÄNDER, WO NICHT EINMAL RICHTIG DEUTSCH KÖNNEN.

59% der Schülerinnen und Schüler an den Basler Schulen haben eine andere Muttersprache als Deutsch: Zum Beispiel 15% Türkisch oder Kurdisch, 9,5% Italienisch, 5,8% Spanisch und 3,3% Französisch oder Englisch. Ähnlich sieht es an einigen Schulen im Kanton Basel-Landschaft aus. Das macht den Unterricht sicher anspruchsvoller. Aber macht es ihn schlechter? Nicht unbedingt.

Die Welt ist kleiner geworden, Migration findet statt und gehört zu einer offenen Gesellschaft. Daran werden keine politischen oder sonstigen Massnahmen etwas ändern können. Also freuen wir uns doch über die positiven Seiten: Unsere Kinder haben die Chance, einiges über andere Länder, Kulturen, Religionen und Sprachen zu erfahren.

Natürlich sollen die fremdsprachigen Mitbürgerinnen und Mitbürger so gut wie möglich Deutsch lernen. Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration und zum Verständnis der Lebensweise eines Volkes. Die Regierungen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft fördern den Deutschunterricht für Erwachsene und Kinder darum systematisch.

Kinder lernen Sprachen viel schneller als Erwachsene. Schon nach einem Jahr können sich die meisten bestens verständigen. Wenn Ihre Sprösslinge dabei ein paar Brocken Portugiesisch oder Türkisch aufschnappen, ist es bestimmt kein Schaden. Und bitte: Falls Sie einem Mitmenschen begegnen, wo Mühe mit unsere Sprache hat, dann erklären Sie ihm doch freundlich, wie es richtig heisst.

Vorausgesetzt, Sie gehören zu den Schweizerinnen oder Schweizern, die noch mit dem Relativpronomen umgehen können.

EINST WAREN SIE DIE «TSCHINGGEN». HEUTE SIND SIE BASLER- INNEN UND BASELBIETER

In den Fünfziger und Sechziger Jahren kamen viele Arbeitskräfte aus Italien in die Schweiz. Wir nannten sie damals «Fremdarbeiter».
Sie waren Immigrantinnen und Immigranten, aber keine Flüchtlinge – wir haben sie für wenig Lohn ins Land geholt. Die Rechnung ging für beide Seiten auf: Ohne sie (und später auch Arbeitskräfte anderer Nationalitäten) hätte es den damaligen Wirtschaftsboom nicht gegeben.

Sie bauten unsere Häuser, unsere Fabriken, unsere Schulen und Spitäler und waren als unentbehrliche, fleissige Arbeitskräfte sehr geschätzt. Als Mitmenschen leider weniger – zumindest in den ersten Jahren. Mit der Zeit gelang die Integration dennoch und dabei kamen ihnen zwei Umstände zugute: Zum einen gab es kein Arbeitsplatzproblem. Zum anderen haben zahlreiche Organisationen viel zu ihrer Ausbildung und Integration beigetragen. Heute sind die Kinder und Enkel der ersten Immigrantengeneration zum guten Teil voll integrierte Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Nun aber kommen Menschen aus anderen, verschiedensten Gründen, in unserer Land, darunter auch Flüchtlinge aus Gegenden, in denen Krieg, Hunger und Not herrscht. Sie haben sprachliche, ethnische und religiöse Barrieren zu überwinden und treffen auf eine völlig veränderte Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Es wird nicht immer einfach sein, sie zu integrieren, aber es ist unsere menschliche Pflicht und es wird gelingen – mit viel gutem Willen von beiden Seiten. Benvenuti. Capito?

HUT AB IN DER KIRCHE. HUT AUF IN DER SYNAGOGE. SCHUHE AUS IN DER MOSCHEE. UND RESPEKT FÜR ALLE.

Die drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam – deren Anhänger an einen einzigen und unsichtbaren Gott glauben – haben viele ähnliche Bräuche, Regeln und Feste. Aber auch Hinduismus und Buddhismus sind uns gar nicht so fremd.

Wenn die Christen im Dezember die Kerzen des Adventskranzes anzünden, werden bei jüdischen Familien nach und nach die acht Kerzen des Chanukka-Leuchters angezündet – zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Wenn der Rabbi am Sabbat aus der Thora vorliest, dann sind das die fünf Bücher Mose – nichts anderes.

Die christliche Fastenzeit und der islamische Ramadan sind eine Zeit der Besinnung und der Reinigung. Aber auch Hinduismus und Buddhismus kennen strenge Fastengebote. Und unsere Dreifaltigkeit? Sie findet sich bereits in der ältesten Weltreligion, dem Hinduismus in der Dreigestalt von Vishnu, Brahma und Shiva. Und auch Siddharta Gautama – Buddha – wurde der Überlieferung nach über 500 Jahre vor Jesus von einer Jungfrau geboren.

In vielen Familien hierzulande werden Festtage verschiedener Religionen gefeiert. Weil die Eltern verschiedenen Religionen angehören. Oder weil viele Migranten-Familien sowohl die Feiertage ihres Herkunftslandes als auch jene ihrer neuen Heimat feiern. Diese Feste werden dabei nicht weniger fröhlich oder besinnlich gefeiert – und andersgläubig ist doch auch gläubig.

Also laden Sie doch Ihre muslimischen Nachbarn zum Weihnachtsbraten ein – ohne Schweinefleisch. Oder bitten Sie die freundlichen Inder vom Feinkostladen um die Ecke, mit Ihnen Chanukka zu begehen. Und lassen Sie Ihre Tochter ruhig mit ihrer türkischen Freundin das islamische Zuckerfest feiern.

Wer sich mit anderen Religionen beschäftigt, wird seinen Glauben nicht verlieren. Aber jenen an das Gute im Menschen bestärken.
Schalom, Salaam, Sali zämme.

JEDER WEISS, WAS RASSISMUS IST. ABER GIBT ES ÜBERHAUPT MENSCHEN- RASSEN?

Die Unterschiede zwischen den Menschen sind effektiv so geringfügig, dass man in der Anthropologie (Menschenkunde) heute nicht mehr von Rassen spricht, sondern von typologischen Kategorien. Man unterscheidet Europide, Mongolide, Indianide, Negride, Australide, Pygmide und Polyneside. Wobei sich die Gelehrten hier keineswegs einig sind. Kommt hinzu, dass sich die Gruppen seit Urzeiten untereinander vermischt haben.

Unterschiede haben sich nur in der Hautfarbe herausgebildet – durch die verschieden starke Sonneneinstrahlung, in der Wärmeregulation und in einigen Blutmerkmalen. Ferner gibt es Unterschiede in der Kopf- und Körperform, bei den Haaren sowie in der durchschnittlichen Grösse des «homo sapiens». Das ist so ziemlich alles.

Die Feststellung dieser Unterschiede ist kein Rassismus – wohl aber die durch nichts zu beweisende Behauptung, dass eine Gruppe intelligenter oder aus irgendeinem Grund einer anderen von Natur aus überlegen sei. Solche Theorien entstanden vor allem in der Kolonialzeit, um die Unterdrückung der Bevölkerung in den eroberten Gebieten zu rechtfertigen. Ihren furchtbarsten Ausdruck fanden sie im Nationalsozialismus, der eine «arische» Rasse konstruierte, die es nie gab – ebensowenig wie eine jüdische oder eine semitische. (Die Arier waren eine indische Oberschicht mit indogermanischer Sprache, die Juden sind ein Volk und/oder eine Religionsgemeinschaft und die Semiten sind eine Sprachgruppe.)

Es gibt in der Schweiz ein Anti-Rassismus-Gesetz, das die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Nationalität oder Religion verbietet. Ob es seinen guten Zweck erfüllt, wird sich erst zeigen. Aber viel wichtiger als dieses Gesetz ist die ganz einfache Erkenntnis, die man jedem Kind erklären kann und sollte:

Dass Hautfarbe und Herkunft nicht über den Wert eines Menschen bestimmen, sondern einzig und allein sein Verhalten gegenüber den Mitmenschen.

LEBEN SIE DOCH EINFACH MAL EINEN TAG ECHT SCHWEIZERISCH. KEIN PROBLEM:

Aufstehen und zu jamaikanischer Reggae-Musik kolumbianischen Kaffee oder Tee aus Sri Lanka schlürfen, dazu amerikanische Cornflakes essen oder Joghurt (ein türkisches Wort, ebenso wie der Kiosk, wo Sie die Zeitung holen). Vor der Fahrt im japanischen Wagen bitte noch schnell Benzin aus Saudi-Arabien einfüllen (oder aufs Mountainbike oder den Scooter steigen) – und ab gehts zur Arbeit im multinationalen Unternehmen. Mittags reichts nur zu einem Hamburger im Fast Food oder einem Döner Kebab an der Ecke. Dann ein Spurt in den italienischen Schuhen ins Office, wo der koreanische Computer samt amerikanischer Software darauf wartet, dass der japanische Drucker etwas ausspuckt. (Gut, dass der nette Kollege aus Nebraska bei der Übersetzung hilft.) Feierabend – ab ins Fitness-Center, zum Shopping, in die finnische Sauna oder zum Squash. Dann ein Dinner beim Griechen (mit der netten Bedienung aus Tunesien) oder einfach daheim ein guter Burgunder.

Sollten Sie hingegen in der Religion Zuflucht suchen, aufgepasst: Jesus und Maria stammen aus Galiläa, der Papst aus Polen, Luther und Oekolampad aus Deutschland, Calvin aus Frankreich, Mohammed aus Arabien und Buddha aus Nepal. Bleibt uns immerhin Huldrych Zwingli aus Wildhaus.

Im Ernst: Stellen Sie sich eine Schweiz ohne ausländische Menschen, Ideen, Kulturen, Nahrungsmittel, Produkte und Dienstleistungen vor. Und fragen Sie sich einmal, warum so viele Schweizerinnen und Schweizer die ägyptischen Pyramiden, die Alhambra von Granada, die Tempel von Thailand, die Kunstschätze Kleinasiens, den Markt von Marrakesch, die türkischen Badeorte oder die Küstenstädte Kroatiens besuchen und bewundern – und handkehrum Berührungsängste haben, wenn sich Menschen aus diesen Ländern bei uns ansiedeln.

Kein Mensch behauptet ernsthaft, dass dies keine Probleme mit sich bringt. Aber abgesehen davon, dass unser Land ohne Migrantinnen und Migranten wirtschaftlich nicht existieren könnte, sind sie in ihrer Mehrheit auch ein gesellschaftlicher und kultureller Gewinn für unser Land.

Und was könnte typisch schweizerischer sein, als guten Gewinn gerne anzunehmen?

VIELE MIGRANTINNEN SIND NICHT GLEICHBERECHTIGT. UND DIE SCHWEIZERINNEN?

Laut einem weit verbreiteten Vorurteil werden muslimische und hinduistische Frauen unterdrückt und sind so gut wie rechtlos. Richtig daran ist nur, dass es in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern mit den Rechten der Frauen nicht zum Besten steht. Das hat aber nichts mit der Religion zu tun. Der Koran zum Beispiel gesteht den Frauen ausdrücklich ein Recht auf Verwaltung ihres persönlichen Besitzes, auf sexuelle Erfüllung, auf Ehescheidung und auf Ausbildung zu. Nur leider sind alte Traditionen manchmal stärker als die Gebote der heiligen Schriften.

Das ist ja im Christentum nicht anders: Würden wir uns an die Gebote der Bibel halten, gäbe es keinen Ehebruch, keine Lügen, keinen Neid, keinen Fremdenhass – und diese ganze Aufklärungskampagne wäre überflüssig.
In den meisten Ländern Asiens und Afrikas gibt es übrigens das Stimm- und Wahlrecht für Frauen schon wesentlich länger als in der Schweiz. Das islamische Pakistan ebenso wie das hinduistische Indien wurden jahrelang von Frauen regiert. Und noch heute gibt es afrikanische Stämme, in denen die Frauen das Sagen haben. Auch in einigen Ländern Europas ist die Gleichberechtigung seit längerem ein Thema.

Aber bleiben wir in der Schweiz: Der Chef im Unternehmen (selten die Chefin) bedankt sich Ende Jahr betont für den tollen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was die Firmen – Gesetz hin oder her – aber oft nicht dran hindert, Frauen (und vor allem Migrantinnen) nach wie vor schlechter zu bezahlen und ihnen geringere Aufstiegschancen zu geben. Das verbale «-innen» ist zwar in Mode – aber oft kein Ausdruck der Gleichberechtigung, sondern ein billiger Ersatz dafür.

Das ist hüben und drüben genauso ungerecht: Auch unter einem Kopftuch verbergen sich Intelligenz, Fleiss, Wissensdurst und Sehnsucht nach mitmenschlichem Kontakt. Der Erfolg der Basler Sprachkurse im Park zeigt das sehr deutlich.

Darum, liebe Baslerinnen und Baselbieterinnen: Suchen Sie doch den Kontakt zu Ihren Geschlechtsgenossinnen aus anderen Kulturkreisen und helfen Sie ihnen bei der Integration.

Vielleicht ändert sich dann etwas zum Guten – für alle.

WAS WÄRE BASEL OHNE «AUSLÄNDER»? NICHT VORHANDEN.

Denn schon die ersten Bewohner unserer Gegend waren Kelten und Römer. Das Münster verdanken wir Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde von Bayern. Die Universität wiederum stiftete ein Italiener: Aeneas Silvio Piccolomini. Die Elisabethenkirche verdankt ihren Namen der hl. Elisabeth, einer Deutschen. Der Stolz unserer Humanistenstadt gründet sich auf Erasmus von Rotterdam und auf berühmte deutsche Professoren wie Friedrich Nietzsche und Karl Jaspers. Ja selbst «Z Basel an mym Rhy» wurde von einem in Basel geborenen Badener gedichtet: Johann Peter Hebel. Die holländische Ärztin Ita Wegmann gründete in Arlesheim die berühmte Klinik und der deutschen Verlegerin Berta Hess-Cohn verdanken wir eine grosszügige Stiftung.

Und heute? Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal in den Spitälern, Akademikerinnen und Akademiker aller Fachrichtungen arbeiten in Basel und sind für unsere Gesundheit ebenso unentbehrlich wie für unsere Wirtschaft. Und ohne ausländische EDV-Fachleute liefe bei uns buchstäblich nichts mehr. Allein in unserer chemischen Industrie arbeiten Menschen aus 60 verschiedenen Ländern. Ohne die ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnte sie die Tore schliessen – und Basel damit. Das gleiche gilt für die Bauwirtschaft, das Gastgewerbe und für unser kulturelles Leben.

Um 1900 hatten in unserer Region 40% der Einwohnerschaft noch keinen Schweizer Pass. Heute liegt der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung in Basel-Stadt bei 27%, in Baselland bei 17,2%. Und wir brauchen sie so dringend, wie sie unsere Toleranz und unser Verständnis brauchen.

Kampagne 2000 - 2005

Im Jahre 2000 starteten die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft erstmals eine bikantonale Kampagne unter dem Titel „Tatsachen gegen Vorurteile“ mit dem erklärten Ziel, die breite Bevölkerung zu einer offenen und differenzierten Auseinandersetzung mit Integrationsfragen zu motivieren. Von 2000 bis 2005 wurden 11 Ausgaben der Migrations-Zeitung und grossformatige Anzeigen in den Tageszeitungen der Kantone und einigen anderen überregionalen Medien realisiert.

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